Vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren, gab es eine Idee des Tauschrings. Was ist an ihr realistisch, was muss revidiert werden.
Ursprünglich war der Tauschring wie eine Verkaufsplattform aufgebaut, wie ein Handelskonzept umgesetzt. Wer etwas anzubieten hatte, gab dies bekannt und Interessierte konnten sich dieses Angebot holen. Der Unterschied zum regulären Wirtschaftsmarkt, war die Währung. Es ist eine eigene Währung, z.B. die Heunis. Zehn Heuni entsprachen 10 Euro. Bei Eintritt in den Tauschring, wurden Heunis großzügig vergeben, sodass ein Neumitglied gleich mit dem Tauschen beginnen konnte.
Auf dieser Plattform fanden sich sowohl einige ein, die etwas zum Tauschen anboten und mehr noch solche, die etwas von dem Angebotenen haben wollten. Somit konnte der Tauschring beginnen.
Über die Jahre nun, konnte der Tauschring ausprobiert werden und die Erfahrungen mit dem Tauschring können unterschiedlich sein. Hier nun eine Einschätzung.
Das Konzept funktioniert nicht so, wie angedacht. Es sind gefühlt oder tatsächlich, mehr Nachfrager nach Dienstleistungen vorhanden, als es ein Angebot gibt. Das Angebot von Gütern kann man vernachlässigen, da der Handel damit ohne Probleme ablief, mit der Einschränkung, dass es verkehrt ist, wenn Tauschringe einen Handel von Gütern und Dienstleistungen mit der allgemein gültigen Währung einschränken oder verbieten.
Da mehr Nachfrager vorhanden sind, haben die Anbieter mehr Druck, ihren Aufgaben nachzukommen. Sie erhalten zwar recht schnell eine Menge Heunis, aber die Einlösung ihrer Einnahmen gegen andere Angebote gelingt nur schleppend, da solche Angebote nicht reichhaltig genug vorhanden sind. So füllt sich für die Anbieter von Dienstleistungen, das Konto, aber das Geld ist mehr oder weniger wertlos.
Das erinnert ein bisschen an die DDR, die auch ein Geld hatte, aber für dieses Geld gab es nicht wirklich einen Markt an Gütern und Dienstleistungen, die attraktiv erschienen.
Ein anderer Aspekt kommt erst auf den zweiten Blick zustande. Da die Angebote annonciert wurden, bestand eine Verbindlichkeit, auch diese Angebote zu leisten. Mit anderen Worten, es gab quasi eine Arbeitspflicht. Wer z.B. anbot, Elektroarbeiten im Haushalt zu übernehmen, wurde angerufen, er möge einen Auftrag übernehmen. Wer sich dem dann verweigerte, stand seltsam da und es wurde womöglich herumerzählt, die Person sei unzuverlässig und nicht empfehlenswert.
Und ein Weiteres, es kann der Eindruck entstehen, dieser Dienstleistungsmarkt geht in Richtung, Ausbeutung von Arbeitskraft. Warum? Zum einen sind die Arbeitskräfte im Tauschring, im Vergleich zum regulären Arbeitsmarkt, billig, zum anderen kann man sich einem einmal gemachten Angebot, nicht ohne weiteres wieder entziehen, ohne fragwürdig zu erscheinen.
Was sind die Lehren aus den Erfahrungen mit 20 Jahren Tauschring?
Der Hauptteil dieses Konzepts, funktioniert nicht ohne weiteres. Der Handel mit Dienstleistungen gelingt nur mit Einschränkungen.
Hat der Tauschring eine Zukunft?
Ja, wenn man das Konzept weiterentwickelt. Es sollte auch der private Handel, geknüpft an die Eurowährung erlaubt sein. Der eigenen Einschätzung nach, sind andere Aspekte viel wichtiger, die gar nicht groß erwähnt werden, im Tauschring, aber zentral sind, für das Gelingen dieser Einrichtung.
DIE KOMMUNIKATION
Auf den regulären Verkaufsplattformen, ist die Kommunikation nur Mittel zum Zweck. Aber im Tauschring ist die Kommunikation für die TeilnehmerInnen von großem Interesse. Über die Kommunikation lernt man die anderen Tauschring-Mitglieder kennen.
Für die Kommunikation gibt es verschiedene Angebote. Das Sonntagsfrühstück, alle zwei Monate. Die TeilnehmerInnen bringen etwas zu essen mit und ein Büfet entsteht, für alle Anwesenden. Der Stammtisch. Einmal im Monat abends, können sich die Mitglieder in einem Lokal treffen. Und eventuell gibt es weitere Termine. Zu solchen Gelegenheiten, können die Mitglieder miteinander ins Gespräch kommen und sich gegenseitig kennenlernen.
Ein offizieller Angebotsmarkt, ist nur mit Einschränkung zu empfehlen. Man kann z.B. zeitlich befristete Angebote machen. Das verhindert Ausbeutung. Weiterhin ist es möglich, über die eigenen Fähigkeiten zu informieren, während der Kommunikations -Begegnungen. Im persönlichen Gespräch kann dann der Einzelne etwas anbieten. Aber nicht offiziell, über eine Angebotsplattform des Tauschrings.
Wenn man diese Punkte berücksichtigt, ist der eigenen Einschätzung nach, auch weiterhin ein Tauschring attraktiv für die Bewohner. Denn die Armut ist noch nicht abgeschafft, in den Gesellschaften.