Donnerstag, 14. Mai 2026

Die Zukunft des Tauschrings

 Vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren, gab es eine Idee des Tauschrings. Was ist an ihr realistisch, was muss revidiert werden.

Ursprünglich war der Tauschring wie eine Verkaufsplattform aufgebaut, wie ein Handelskonzept umgesetzt. Wer etwas anzubieten hatte, gab dies bekannt und Interessierte konnten sich dieses Angebot holen. Der Unterschied zum regulären Wirtschaftsmarkt, war die Währung. Es ist eine eigene Währung, z.B. die Heunis. Zehn Heuni entsprachen 10 Euro. Bei Eintritt in den Tauschring, wurden Heunis großzügig vergeben, sodass ein Neumitglied gleich mit dem Tauschen beginnen konnte.

Auf dieser Plattform fanden sich sowohl einige ein, die etwas zum Tauschen anboten und mehr noch solche, die etwas von dem Angebotenen haben wollten. Somit konnte der Tauschring beginnen. 

Über die Jahre nun, konnte der Tauschring ausprobiert werden und die Erfahrungen mit dem Tauschring können unterschiedlich sein. Hier nun eine Einschätzung.

Das Konzept funktioniert nicht so, wie angedacht. Es sind gefühlt oder tatsächlich, mehr Nachfrager nach Dienstleistungen vorhanden, als es ein Angebot gibt. Das Angebot von Gütern kann man vernachlässigen, da der Handel damit ohne Probleme ablief, mit der Einschränkung, dass es verkehrt ist, wenn Tauschringe einen Handel von Gütern und Dienstleistungen mit der allgemein gültigen Währung einschränken oder verbieten.

Da mehr Nachfrager vorhanden sind, haben die Anbieter mehr Druck, ihren Aufgaben nachzukommen. Sie erhalten zwar recht schnell eine Menge Heunis, aber die Einlösung ihrer Einnahmen gegen andere Angebote gelingt nur schleppend, da solche Angebote nicht reichhaltig genug vorhanden sind. So füllt sich für die Anbieter von Dienstleistungen, das Konto, aber das Geld ist mehr oder weniger wertlos.

Das erinnert ein bisschen an die DDR, die auch ein Geld hatte, aber für dieses Geld gab es nicht wirklich einen Markt an Gütern und Dienstleistungen, die attraktiv erschienen.

Ein anderer Aspekt kommt erst auf den zweiten Blick zustande. Da die Angebote annonciert wurden, bestand eine Verbindlichkeit, auch diese Angebote zu leisten. Mit anderen Worten, es gab quasi eine Arbeitspflicht. Wer z.B. anbot, Elektroarbeiten im Haushalt zu übernehmen, wurde angerufen, er möge einen Auftrag übernehmen. Wer sich dem dann verweigerte, stand seltsam da und es wurde womöglich herumerzählt, die Person sei unzuverlässig und nicht empfehlenswert.

Und ein Weiteres, es kann der Eindruck entstehen, dieser Dienstleistungsmarkt geht in Richtung, Ausbeutung von Arbeitskraft. Warum? Zum einen sind die Arbeitskräfte im Tauschring, im Vergleich zum regulären Arbeitsmarkt, billig, zum anderen kann man sich einem einmal gemachten Angebot, nicht ohne weiteres wieder entziehen, ohne fragwürdig zu erscheinen.

Was sind die Lehren aus den Erfahrungen mit 20 Jahren Tauschring?

Der Hauptteil dieses Konzepts, funktioniert nicht ohne weiteres. Der Handel mit Dienstleistungen gelingt nur mit Einschränkungen. 

Hat der Tauschring eine Zukunft?

Ja, wenn man das Konzept weiterentwickelt. Es sollte auch der private Handel, geknüpft an die Eurowährung erlaubt sein. Der eigenen Einschätzung nach, sind andere Aspekte viel wichtiger, die gar nicht groß erwähnt werden, im Tauschring, aber zentral sind, für das Gelingen dieser Einrichtung. 

DIE KOMMUNIKATION

Auf den regulären Verkaufsplattformen, ist die Kommunikation nur Mittel zum Zweck. Aber im Tauschring ist die Kommunikation für die TeilnehmerInnen von großem Interesse. Über die Kommunikation lernt man die anderen Tauschring-Mitglieder kennen. 

Für die Kommunikation gibt es verschiedene Angebote. Das Sonntagsfrühstück, alle zwei Monate. Die TeilnehmerInnen bringen etwas zu essen mit und ein Büfet entsteht, für alle Anwesenden. Der Stammtisch. Einmal im Monat abends, können sich die Mitglieder in einem Lokal treffen. Und eventuell gibt es weitere Termine. Zu solchen Gelegenheiten, können die Mitglieder miteinander ins Gespräch kommen und sich gegenseitig kennenlernen.

Ein offizieller Angebotsmarkt, ist nur mit Einschränkung zu empfehlen. Man kann z.B. zeitlich befristete Angebote machen. Das verhindert Ausbeutung. Weiterhin ist es möglich, über die eigenen Fähigkeiten zu informieren, während der Kommunikations -Begegnungen. Im persönlichen Gespräch kann dann der Einzelne etwas anbieten. Aber nicht offiziell, über eine Angebotsplattform des Tauschrings. 

Wenn man diese Punkte berücksichtigt, ist der eigenen Einschätzung nach, auch weiterhin ein Tauschring attraktiv für die Bewohner. Denn die Armut ist noch nicht abgeschafft, in den Gesellschaften.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Wie funktioniert Ausbeutung?

Eine Firma liefert Energie an Kunden. Diese Energieträger werden portionsweise ausgegeben. Der Kunde nimmt sich eine Portion und geht dann an die Kasse. Dort zahlt er bei einem Mitarbeiter der Firma die Menge Energie, die er genommen hat. 

Der Mitarbeiter gibt dem Kunden eine Quittung über die gekaufte Menge Energie. Der Mitarbeiter bekommt einen Lohn für die geleistete Arbeit.

Soweit so gut. 

Wenn dem Mitarbeiter der Job gefällt, kann er ihn weiterhin machen.

Wenn ihm der Lohn ausreichend oder gut erscheint, dann ist das ein weiterer Grund, dabei zu bleiben.

Wenn die Arbeitsbedingungen gut sind, gibt es keinen Grund unzufrieden zu sein.

WAS KANN SICH JETZT ÄNDERN?

Dem Arbeitgeber könnte in den Sinn kommen, dass der Mitarbeiter zu wenig Arbeit hat. Und dass man dem Mitarbeiter mehr Arbeit geben sollte, damit dieser ausgelastet ist. 

Dies ist ein sehr heikler Moment. 

Denn die Person A will darüber entscheiden, welche Arbeit der Person B zugemutet werden kann. 

Ist das in Ordnung so?

Nein, das ist nicht in Ordnung. Wer von anderen Anweisungen bekommt, was zu arbeiten ist, ist der Sklave des anderen. Und Sklave sein, ist menschenunwürdig und widerspricht den Menschenrechten.

Wenn jetzt der Mitarbeiter in der Energiefirma, zusätzlich zum Verkauf der Energieträger, auch noch Mitarbeiter eines Verkaufsshop sein soll, mit diversen Artikeln, die in die Regale eingeräumt werden müssen, dann hat die Person zusätzliche Arbeit, die sie nicht frei gewählt hat. 

Denn jetzt kann es sein, dass die Mitarbeiter-Person zu viel Arbeit und zu viel zu tun hat. Und es entsteht Stress, weil sowohl die Energieträger verkauft werden sollen und zusätzlich noch die Shop-Ware. Das kann dann zu viel sein und der Job wird stressig und anstrengend und den Mitarbeitern vergeht die Lust an der Arbeit. Zumal solche Jobs eh eher schlecht bezahlt sind. 

Da gerät dann der Bewohner in eine Ausbeutungssituation. Und da braucht man keine Gewerkschaften, um festzustellen, dass das nicht in Ordnung ist.

Das heißt, die Ausbeutung entsteht durch Überlastung von Mitarbeitern. Und diese Überlastung ist von den Arbeitgebern so angelegt. Denn sie können sehr wohl erkennen, dass eine Arbeitssituation zu stressig ist, für ihre Angestellten. 

Und es gibt dann diverse Ausreden, warum das scheinbar nicht anders geht: 

  • Die Konkurrenz ließe keine andere Arbeitssituation zu. 
  • Im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern, müsse halt die maximale Arbeitsleistung erbracht werden. 
  • Wer die Arbeit nicht machen will, wird zwangsläufig durch einen besseren Mitarbeiter ersetzt. 
  • Eine höhere Bezahlung ließe der Markt nicht zu. Man stünde im internationalen Preiskampf. 

Ausbeutung wird so erklärt, dass es nun mal nicht anders ginge. 

PS: Ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) würde Ausbeutung unmöglich machen. Weil sich niemand ausbeuten lassen müsste. 😊